Über Hunde in Spanien

Der ein oder andere mag es bereits mitbekommen haben: Wir reisen ja nicht nur zu zweit, sondern haben einen kleinen Hund namens Snoop Dogg mit dabei. Snoop haben wir vor ca. 3 Jahren über eine Tierschutzorganisation adoptiert (Tiernothilfe Vergiss mich nicht e.V.), die sich für spanische Straßenhunde einsetzt. Eine Mission auf unserer Reise ist der Besuch einer Perrera – sofern wir uns das wirklich zutrauen – und eines Tierheims in Spanien.

Als Hindergrundinfo: In Spanien gilt der Hund bei sehr vielen Menschen immer noch als reines Nutztier für die Jagd, das Fangen von Mäusen und Ratten oder für Hunderennen. Oft werden aus einem Wurf nur die Hunde herausgepickt, die für die ein oder andere Sache “Potenzial” zeigen. Der Rest landet auf der Straße, in einer «Perrera» oder wird direkt getötet – was manchmal nicht funktioniert und Hunde mit aufgeschlitzten Hälsen oder verstümmelt von Tierschützern aufgesammelt werden.

Aber auch die überlebenden Hunde, die in eine Familie kommen, werden oft nicht besonders hundefreundlich gehalten. Es ist recht üblich, Hunde auf dem Balkon zu halten, andere kommen nie über den Bewegungsradius ihrer kurzen Kette hinaus, die manchmal schon tiefe Spuren im Hals des Hundes hinterlassen hat, weil diese beim heranwachsenden Hund nicht vergrössert wird. Die Hunde haben oft in Spanien einen anderen Stellenwert, als in Deutschland, sind keine Familienmitglieder, sondern werden recht schnell ausgemustert. Der Welpe ist zu gross geworden, der Welpe pinkelt in die Wohnung, man fährt in den Urlaub, man zieht um. Es gibt unzählige Hunde, die alleine in verlassenen Wohnungen oder auf verlassenen Höfen gefunden wurden. Sowas passiert auch in Deutschland immer wieder mal, in Spanien ist dieses Verhalten allerdings so weit verbreitet, dass es zur staatlichen Sache erklärt wurde, die Straßenhunde einzusammeln und in sogenannte Perreras zu bringen. Das sind eigentlich keine “Tierheime”. Sie befinden sich zum Beispiel auf Abfallplätzen, so dass man neben seinem Abfall auch seinen Hund entsorgen kann. Je nach Perrera werden die Hunde nach 72 Stunden getötet oder sobald alle Käfige voll sind. Der Hund hat also nur eine kleine Chance, adoptiert zu werden. Bis dahin kümmern sich die Beamten nur rudimentär um die Tiere, an Futter wird oft gespart. Sie werden dann mit Gas oder einer Spritze eingeschläfert, um Platzt für die nächsten Straßen- und Familienhunde zu machen, die eingefangen und abgegeben werden. Aus diesem Grund werden die Perreras von den deutschen Tierschutzorganisationen oft auch zu Recht “Tötungsstationen” genannt. Bevor eine Tötung der Tiere stattfindet, haben Tierschutzorganisationen oder auch Privatpersonen die Möglichkeit, einsitzende Hunde zu vermitteln oder aufzunehmen.

Die Beamten machen nur ihren Job. Dass sie diesen zum Teil hassen, zeigt sich in einem Brief, der von einem solchen Beamten an die spanische Bevölkerung geschrieben wurde (ob er echt ist, kann ich nicht prüfen.) Ihr könnt den Brief z.B. auf der Website der Pfötchenfreunde Weisweil lesen.

Er beschreibt darin, dass viele Besitzer denken, ihr Hund ist so süß und gut erzogen, dass es garantiert adoptiert wird. Er selbst weiß aber, dass der Hund keine Chance hat, wenn er zum Beispiel zu groß ist – große Hunde werden selten adoptiert. Auch schwarze Hunde werden fast nie adoptiert. Wenn er ein Listenhund ist, hat er gar keine Chance. Listenhunde werden zum Teil in einem Extrabereich untergebracht, diese Tiere werden nicht vermittelt, sondern in jedem Fall getötet. Es werden so viele Tiere abgegeben und aufgesammelt, dass jeder Hund nur eine sehr kleine Überlebenschance hat.

Natürlich müssen auch die Hilfsorganisationen danach entscheiden, welche Hunde sich vermitteln lassen. Sie retten aber auch immer wieder Hunde, die es besonders schlimm erwischt haben, also stark verletzt oder behindert sind. Die kommen dann in eines der wirklich armen Tierheime. Ab und zu finden sie Pflegestellen in Spanien oder Deutschland, die die Tiere aufnehmen und weiter vermitteln.

Wenn ein Hund das Glück hat, von «unserer» Tierschutzorganisation (wir sind keine offiziellen Mitglieder) vermittelt zu werden, dann ist sein Leben gesichert, denn die Organisation übernimmt die Verantwortung: Wenn aus irgend einem Grund ein Hund nicht mehr in seiner neuen Familie bleiben kann, dann geht er zurück an die Organisation, die eine andere Pflege- oder Endstelle findet. Natürlich sammelt sich so über die Zeit eine Menge Verantwortung für diese kleine Organisation an, denn mittlerweile werden jeden Monat neue Hunde vermittelt. Damit wird die Wahrscheinlichkeit höher, dass Pflegestellen benötigt werden. Wer sich also vorstellen kann, einen Hund eine Zeit lang zu nehmen, bis ein neues Zuhause gefunden wird, ist hier sehr begehrt! Meldet euch!

Und was für tolle Hunde das sind. Trotzdem diese Tiere verlassen worden sind oder teilweise schlechte Erfahrungen gemacht haben – selbst die misshandelten Tiere sind oft unglaublich anhängliche, menschenzugewandte, kinderfreundliche, katzenfreundliche und angenehme Mitbewohner.

Nun zu unserem Hund: Wir haben also vor drei Jahren Snoop Dogg adoptiert, der wohl im Welpenalter auf der Straße ausgesetzt wurde. Was er dort erlebt hat, wissen wir nicht. Jedoch zeigt sein ängstlicher Charakter, dass es in diesen prägenden Monaten nicht schön für ihn gewesen sein kann – entweder hat er schlechte Erfahrungen gemacht oder er war so isoliert, dass er nichts kennen gelernt hat. Viele Gerüche, Geräusche, Fahrräder, alte Menschen, Kinder, Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderer Bekleidung, Koffer und so weiter: Alles jagt ihm auch nach den drei Jahren noch einen großen Schrecken ein und es ist unangenehm bis unmöglich, mit ihm durch eine Fußgängerzone oder einen Stadtpark zu laufen. Solche Angsthunde gibt es eben auch, sind aber nicht die Regel, auch wenn mache das glauben.

Wir sind trotzdem so froh, dass wir genau ihn bekommen haben, denn wenn wir zuhause «in Sicherheit» sind, ist er ein absolut witziger, unglaublich lieber, lebenslustiger und verkuschelter Hund. Er ist nicht der hellste, wir vermuten Unterernährung im Welpenalter und damit ein etwas unterentwickeltes Gehirn, aber die Grunderziehung hat er drauf. Und wenn er mal zu einem Menschen Vertrauen gefasst hat, dann liebt er ihn uneingeschränkt. In den letzten Jahren war er fast immer mit bei Jere im Büro und verhält sich tadellos. Die Mitarbeiter freuen sich, dass jemand sie so enthusiastisch empfängt, die meisten Kunden sind entzückt und wenn es im Meetingraum nach Pupse stinkt, kann man immer sagen, dass es der Hund war 😉 Der Paketboten wurde auch mal angebellt und bei manchen Hunden stellen sich bei ihm die Nackenhaare auf. Aber er wirkt unglaublich erzogen, wenn er von selbst einen grossen Bogen um andere macht oder sich an unsere Seite gesellt.

Wir sind also froh, diesen Schritt gemacht zu haben und hoffen darauf, dass wir mit unseren Berichten aus dem Tierheim und der Perrera (wenn wir uns trauen), die in den kommenden Tagen geschrieben werden, ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Situation richten können. Vielleicht entscheidet sich – auch wenn es nur eine Person ist – jemand dazu, einem solchen Hund noch ein paar schöne Jahre zu geben. Adopt – don’t shop! Also nach dem Motto: Kauft keine gezüchteten Hunde, sondern lieber einen, der ansonsten ein trauriges Ende erlebt.

Passend zum Beitrag gibt’s hier auch unser Video über die Spenden, die wir für das Tierheim in Malagón gesammelt haben und heute, am Montagabend, dort abgeben werden.