What the Van? – Der richtige Fahrzeugtyp für unsere Reise

Wenn man sich dazu entscheidet, mit einem Van zu reisen, steht natürlich ganz am Anfang der Planung auch die Frage nach dem richtigen Vehikel. Die Optionen sind vielfältig, vom einfachen Kombi über einen Kleintransporter bis hin zu einem voll ausgestatteten Wohnmobil mit Dusche und Wasser-gespülter Toilette. Die Entscheidung für eine der Optionen ist im Idealfall nicht ausschließlich eine finanzielle, sondern sollte – sofern man nicht unbedingt Super-Low-Budget reisen muss / will – auch andere Überlegungen miteinschließen. Wieviele Habseligkeiten muss / will ich dabeihaben? Welchen Komfort brauche ich zum Wohlfühlen? Reise ich viel in Städte oder bin ich eher in der Natur unterwegs? Kann ich auch mal im Busch oder auf der Autobahntoilette? Und nicht zuletzt: Wieviel darf der Camper maximal verbrauchen, damit ich es mit meinem ökologischen Gewissen und meinem Portemonnaie vereinbaren kann?

Auch bei uns standen diese Überlegungen im Raum und in diesem Artikel wollen wir über unsere Erfahrungen berichten und die Beweggründe für unsere letztendliche Entscheidung darlegen. Vielleicht hilf es ja dem ein oder anderen bei der Planung seiner eigenen individuellen Tour.

Wie groß darfs denn sein?

Auf vergangenen Reisen haben wir Glücklichen bereits die unterschiedlichsten Fahrzeugtypen ausprobieren dürfen. Das kam uns bei der Entscheidung nach einer Fahrzeuggröße für unsere Seitenspur-Auszeit natürlich sehr zu Gute. Es war alles mit dabei, vom Kleinstwagen und der Übernachtung im Zelt über den engen Kleinbus bis hin zum 10m Wohnmobil. Jede Fahrzeugklasse hatte hier ihre Vor- und Nachteile. Hier mal eine kleine subjektive und nicht vollständige Übersicht.

Kleinwagen, Limousine, kleiner SUV

In diesem “Fahrzeug-Segment” haben wir schon diverse Reisen hinter uns, z.B. mit einem Seat Mii zu dritt durch Nordirland (AirBNB), mit einem Ford Fiesta durch Schottland (Zelt) oder mit einem Chevy Equinox durch Florida (Motel). Toll war, dass wir ohne Probleme überall hingekommen sind. Gerade in den erstgenannten Ländern sind die Straßen manchmal seeeehr schmal, da macht sich so ein Kleinwagen schon gut. Außerdem war der Verbrauch vergleichsweise niedrig, was sich positiv auf Umwelt und Reisekasse auswirkt. Übernachten kann man aber in einem Kleinwagen natürlich nicht und auch im Kombi ist es eher ein Reinquetschen. Damit sind wir hier auch beim größten Nachteil dieser Fahrzeugklasse für eine Reise wie unsere: Wenn man nicht ins Zelt ausweichen oder sich wie Ölsardinen zusammenkauern will, dann bleibt unweigerlich nur eine feste Miet-Unterkunft. Mit dem abenteuerlichen Camping- und Vanlife-Gefühl, dass man sein Zuhause und all seine Habseligkeiten immer dabei hat, hat das natürlich nicht viel zu tun. Aus diesem Grund stand diese Option für uns von Anfang an nicht zur Debatte. Ein weiterer Nachteil war für uns, dass das Fahrverhalten der Fahrzeuge teilweise schon so komfortabel war, dass wir uns fast zu stark von der Straße und der Natur abgeschottet gefühlt haben. Man sitzt wie in nem Sessel vor dem Fernseher und die Landschaft rauscht an einem vorbei – alles andere als naturnah. Das fühlt sich dann nicht mal wirklich wie ein Roadtrip an.

Der Kleinbus

In Neuseeland reisten wir 2010 mehrere Monate lang mit einem kleinen Nissan Vanette durch das ganze Land (siehe https://www.ganzrechtsunten.de). Dieser hatte hinten eine von einem Vorbesitzer gezimmerte Liegefläche und… naja, sonst nix. Mehr Platz war nämlich nicht. Lediglich unter der Liegefläche konnte man ein paar Kisten verstauen, kam an diese aber dann nur von außen dran. Sitzen konnten wir auf der Liegefläche nur mit eingezogenem Kopf. Aber anders als bei den vorher genannten Fahrzeugen hatten wir in diesem Van schon einen sehr guten Kontakt zur Straße und zur Natur. Das lag zum Einen daran, dass man in einem Van einfach eine bessere Rundumsicht hat. Die Landschaft um uns wirkte so wie ein 360 Grad Panorama und nicht nur wie ein kleiner fotografischer Ausschnitt. Zum Anderen haben so ältere Fahrzeuge auch nicht so dicke Innenverkleidungen, es zieht an der ein oder anderen Stelle durch die Fenster und Unebenheiten auf der Straße spiegeln sich in automatischen Lenkbewegungen wider, die es auszugleichen gilt. Natürlich ist man dann nach längeren Fahrten etwas durch, aber wir hatten damals genug Zeit und haben uns einfach keine sehr langen Strecken zugemutet. Das Reisen mit unserem Kiwi-Van hat uns echt Spaß gemacht, lediglich das Rumräumen von Sachen aufgrund von Platzmangel und dass man nicht im Van stehen, geschweige denn bequem kochen konnte, war teilweise etwas nervig.

Das Wohnmobil

Das andere Ende der Fahnenstange steht ein ca. 10m langes Wohnmobil auf Ford F450-Basis (eines der kleineren Wohnmobile in den USA!!!), das wir zusammen mit zwei sehr lieben Freunden drei Wochen lang durch Kalifornien gelenkt haben. Das war natürlich vom Komfort her nicht zu vergleichen mit allem, was wir sonst so becampt haben: Dusche, Wassertoilette, zwei Zimmer, toller Gasherd, Standheizung und Klimaanlage, Wassererhitzer, Kühlschrank… Wir haben uns nach ein paar Tagen sehr heimisch gefühlt. Man musste auch nicht ständig Zeug wegräumen, konnte Einkäufe ohne Probleme und ohne Tetris zu spielen verstauen. Außerdem hatte man wirklich ein sicheres Gefühl bei Nacht, was vor allem für Claudi nicht selbstverständlich beim Campen ist. Die Nachteile eines so großen Fahrzeugs liegen aber ebenfalls auf der Hand: fehlende Wendigkeit beim Einparken, überhaupt erstmal einen Parkplatz zu finden, hoher Spritverbrauch. All das kann – je nach dem, wo man unterwegs ist – auch zum Problem werden. In den USA war es größtenteils ok, da hier die Straßen und Spritpreise auf solche Fahrzeuggrößen ausgelegt sind – lediglich einmal konnten wir einen Nationalpark nicht besuchen, da das Wohnmobil zu lang war. Wenn man aber in Europa unterwegs ist, können die genannten Punkte schon problematisch werden. An der Amalfiküste oder in Schottland möchten wir mit einem solchen Gerät nicht unterwegs sein. Auch wenn es um Fähren, Maut oder Versicherung geht, ist ein Wohnmobil ganz abgesehen von den Spritkosten eine ganz andere Nummer. Außerdem fanden wir das Wohnmobil nicht so richtig gemütlich. Das lag aber nicht nur an der Größe sondern natürlich auch an der Innenausstattung, die Mietwagen-gemäß ziemlich billig war.

Vorbestimmte Entscheidung

Nachdem wir also mit sehr unterschiedlichen Reise-Fahrzeugen und Campervans unsere Urlaube verbracht hatten, war uns für unseren großen Trip durch Europa klar: normales Auto ist zu klein, Wohnmobil zu groß. Irgendwas dazwischen sollte es sein. Die Überlegungen gingen vom (etwas größeren) Kleinbus bis hin zu den klassischen Transportern. Vom Style-Faktor hatten wir eigentlich dann direkt auch schon einen VW Bus im Kopf, wollten uns aber anfangs nicht darauf beschränken. Auch andere Kleinbusse und Transporter zogen wir in Erwägung. Hierbei spielten dann auch weitere Fragen wie Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Ersatzteillage (auch im Hinterland) bei unseren Überlegungen eine Rolle. So haben wir angefangen, den Gebrauchtwagenmarkt zu checken und im Internet die genannten Fragen zu recherchieren.

Nachdem wir die ersten interessanten Angebote von Masters, Sprinters, Nuggets, Partners, Traffics & Co. im Netz angesehen hatten, merkten wir dann aber sehr schnell, dass v.a. Jere der Style- und Kult-Faktor doch wichtiger war, als er sich anfangs eingestanden hatte. Und bei Claudi spielten z.B. Dinge Wertverlust und Fahrverhalten eine große Rolle. Wenn wir ganz ehrlich mit uns selbst sind, hatten “die anderen” Vans, die nicht VWs, eigentlich von Anfang an schlechte Karten. Jeres Vater fährt seit Jahrzehnten VW Bus – Ende der 80er noch T2, aktuell einen T3. Und so war die Fahrzeugaffinität bei ihm schon vorgeprägt. Zusammen mit der guten Ersatzteillage und der relativen Wertstabilität wurde der VW Bus sehr schnell unser Favorit. T1: geil aber unbezahlbar. T2: kultig aber geringes Platzangebot innen. Beim VW T3 stimmte für uns einfach das Verhältnis von Kult, Style, Abmessung, Innenraumgröße, Anschaffungspreis, Ersatzteillage, Wertverlust und Fahrverhalten.

Und so wurde ein VW Bus T3 für uns zum heiß begehrten Objekt und zum Ziel unserer Fahrzeugsuche. Wie die verlief, könnt ihr bald in einem weiteren Artikel lesen.